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Kreatin, Tribulus & Co.

Viele Nahrungsergänzungsmittel werden als "Leistungsförderer" gehandelt, von denen die Werbung wahre Wunder verspricht. Bei genauerem Hinsehen steckt aber meist nicht viel dahinter. Nimmt man die einschlägigen Werbeslogans beim Wort, ist es eigentlich gar nicht nötig, zu trainieren: Man muss, will man den vollmundigen Versprechen glauben, nur das richtige Mittel nehmen, und schon stellt sich der Erfolg von selbst ein. Dabei sollte sich eigentlich längst herumgesprochen haben, dass sportliche Leistungsfähigkeit nur durch regelmäßiges Training bei angemessener Ernährung erreicht und auch erhalten werden kann. Erfolg haben mit den Pillen und Pulvern vor allem die Hersteller – nämlich in Form prall gefüllter Kassen.

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Glänzende Muskelpakete von beängstigendem Umfang schmücken die Verpackungen von Kreatin Präparaten; schon nach sieben bis zehn Tagen sollen sich laut Herstellerangaben Kraft und Muskelmasse spürbar steigern. Tatsächlich führt die Einnahme solcher Mittel in hohen Dosen zur Bildung schnell verfügbarer Energiespeicher in der Muskulatur. Das kann bei hochintensiven Belastungen von sehr kurzer Dauer (10 bis 30 Sekunden) von Vorteil sein. Bei anderen Belastungsarten zeigt Kreatin überhaupt keine Wirkung. Der Effekt verschwindet überdies wieder, wenn das Präparat abgesetzt wird – im Gegensatz zu den Effekten eines regelmäßigen Trainings. Außerdem berichten Athletinnen und Athleten, dass nach der Einnahme von Kreatin die Muskulatur schneller "zumacht".

Unschlagbare Wirkung auf Ausdauerleistung und Muskelkraft versprechen Produkte mit dem pflanzlichen Wirkstoff Tribulus. Sie sollen angeblich die Produktion von Testosteron erhöhen, was tatsächlich zu einer Leistungssteigerung führen würde. Eine willkürliche Erhöhung des Testosteronspiegels gilt allerdings als Doping. Wäre dieser Effekt bewiesen, würde Tribulus längst auf der Liste der verbotenen Substanzen stehen. Tatsächlich gibt es aber bisher nur eine einzige Studie, in der die Wirkung von Tribulus an trainierten Kraftsportlern untersucht wurde. Das Ergebnis: Im Vergleich zur Kontrollgruppe konnte kein Effekt festgestellt werden. Allerdings wurden in der Vergangenheit Beimengungen verbotener Substanzen in Tribulus-Präparaten gefunden – Grund genug, das Mittel links liegen zu lassen.

Blanker Unsinn ist die Behauptung, L-Carnitin würde zu mehr Muskelmasse führen. Es wird lediglich angenommen, dass L-Carnitin den Fettabbau in den Muskelzellen und damit die Energiebereitstellung fördert. Aber selbst dazu gibt es bislang nur widersprüchliche Studienergebnisse. Von einem Muskelwachstum durch L-Carnitin-Präparate kann jedenfalls überhaupt keine Rede sein.

Gern werben die Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln mit angeblichen wissenschaftlichen Beweisen für deren Wirksamkeit, mit angeblichen Stellungnahmen von Fachleuten und Erfahrungsberichten begeisterter Kundinnen und Kunden. Aber die "wissenschaftlichen Studien" werden oft von den Herstellern selbst in Auftrag gegeben. Solche Studien sind nicht unbedingt neutral, und häufig entsprechen die Versuchsanordnungen nicht dem wissenschaftlichen Standard.

Gern pickt man sich aus widersprüchlichen Forschungsergebnissen auch nur die heraus, die ins Werbekonzept passen. Und was die vermeintlichen Stellungnahmen und Erfahrungsberichte betrifft, so stammen sie oft von Fachleuten und begeisterten Menschen – aus der Marketingabteilung.

Glaubt man den Herstellerfirmen, haben die angepriesenen Produkte keinerlei Nebenwirkungen. Dabei weiß man inzwischen, dass zum Beispiel Kreatin in hohen Dosen zu Wassereinlagerungen im Gewebe, Muskelkrämpfen und Durchfällen führen kann und das Verletzungsrisiko erhöht. L-Carnitin kann Magen-Darm-Beschwerden verursachen, und in Tribulus-Präparaten wurden in der Vergangenheit mehrfach Beimengungen von verbotenen Substanzen gefunden, die zu positiven Dopingproben führen können.

Bei frei verkäuflichen Präparaten dieser Art besteht immer die Gefahr, dass mehr drin ist, als draufsteht. Grundsätzlich lässt man also besser die Finger davon.